Zur Relation von Komplementär- und Gegenfarbpaaren

Sebastian Hümbert, Johannes Grebe-Ellis

Abstract


Das Spannungsfeld zwischen Fachwissenschaft und Lebenswelt zu überbrücken stellt eine ständi-ge Herausforderung für den Physikunterricht dar. Besonders deutlich wird dies in der Behandlung des Themas „Farbe“. Der im Physikunterricht oft vorgestellte additive Farbkreis in Anlehnung an Newton scheint unvereinbar mit anderen Ordnungssystemen, wie sie beispielsweise im Kunstun-terricht vermittelt werden. Insbesondere die Mehrdeutigkeit des Begriffs der Komplementärfarbe ist ein Stolperstein. Der Beschreibung von Komplementarität als Eigenschaft von Farbpaaren fehlt meistens ein Hinweis auf den Bezugsrahmen, innerhalb dessen die Bezeichnung „komplementär“ ihren jeweiligen Sinn gewinnt. Der Einsatz farbmetrischer Methoden erlaubt jedoch, die fachwis-senschaftlich-technische und die künstlerisch-wahrnehmungsbasierte Perspektive aufeinander zu beziehen. Am konkreten Vergleich des additiven Farbkreises mit einem wahrnehmungsbasierten Farbkreis wird demonstriert, wie beide Referenzsysteme ineinander überführt werden können. An-knüpfend an die Arbeit von Wilson und Brocklebank wurde eine computergestützte Versuchsreihe entwickelt, in der mit einfachen Mitteln nachvollzogen werden kann, wie Komplementärfarbpaare und gegenfarbige Nachbildpaare unter Entsättigung zu Weiß ineinander übergehen. Dies illustriert ein mögliches experimentelles Vorgehen, in das beide Perspektiven auf Farbe eingehen ohne die jeweils andere Perspektive zu diskreditieren. Die Ergebnisse der Versuchsreihe werden diskutiert und in den Kontext eines bildoptischen Zugangs zur Farbe gestellt.

Schlagworte


Farbe; Farbkreis, Farbordnung; Farbmetrik; CIE-Normfarbtafel; Nachbilder; Komplementärfarben; Gegenfarben

Volltext:

Beitrag DD 12.01


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